Gedanken aus dem Gemeindebrief

 

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.


Ps 38,10

 

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser des Gemeindebriefs,

 

 

 

fast ist es ein wenig peinlich, Zeuge einer so intimen Unterhaltung zu sein.Wer kehrt schon vor allen Leuten sein Innerstes nach außen? Derartig preisgegeben kann man nur sein, wenn man sicher ist, in einem Schutzraum, ohne Angst vor Indiskretion und Verrat.

 

Da wäre ich nicht so ohne weiteres drauf gekommen, Gott diskret zu nennen. Aber genau diese Eigenschaft hilft mir, Gott zu vertrauen. Und David ging es wohl genauso. Er offenbart ja all seine Verwundbarkeit, seine Schwäche, seine Träume. Würden seine Feinde davon erfahren, er wäre ein toter Mann.

 

Doch Gott verrät keine Geheimnisse, er stellt niemanden bloß, er belächelt uns nicht, er selbst ist unser Schutzraum.

 

Wir suchen ja immer ein Gegenüber, das uns versteht, dem wir alles erzählen können, was uns bewegt. Um uns herum tun Menschen aller Altersklassen das gern in den so genannten

 

sozialen Medien“, also bei facebook und Instagram, bei Twitter oder in Datingportalen.

 

Das Gebet ist dem Chat gewichen. Täglich legen Millionen von Menschen ihre innersten Gefühle im Internet offen. Da gibt es keine Diskretion, da gibt es nur die Hoffnung, dass es nicht wieder zu einem „Leck“ kommt.

 

Wie gut hat es da der Beter!

 

Es ist ein Gefühl von großem Glück, durch und durch erkannt zu sein. Dasselbe Wort beschreibt auch die intime Gemeinschaft von Mann und Frau.David bekennt in diesem Psalm seine Schuld vor Gott. Er tut es voller Inbrunst, er breitet alles vor Gott aus. Er tut es in der Gewissheit, dass Gott ihn hört, er verstellt sich nicht, er ist vollkommen ehrlich. Sein Leben liegt in Gottes Hand, aber David hat keine Angst. Er ist voller Ehrfurcht, aber ohne Furcht. Der große, allmächtige Gott Israels, der, dessen Namen niemand auszusprechen wagt, dieser Gott hört ihm zu und nimmt ihn ernst. Da ist sich David ganz sicher. Deshalb ist vielleicht ein kleines Zittern in der Stimme, als David ihm sein Herz ausschüttet, aber gleichzeitig ist die Hoffnung da, dass Gott es am Ende wieder gut macht. Und so steht am Ende dieses Psalms: „Eile, mir beizustehen, Herr, du meine Hilfe!“

 

Gaby Wegener