Gedanken

Lieber Leserin, lieber Leser,

 

„ich glaube“. Das ist das – zugegebenermaßen sehr kurze – Bekenntnis eines Mannes, der Jesus um die Heilung seines kranken Kindes bittet. Das ist für jemanden, der Jesus gerade zum ersten Mal begegnet ist doch schon eine starke Aussage. Wenn wir uns heute miteinander unterhalten und kommen über das Thema Glauben ins Gespräch, dann würde sicherlich schnell auch darüber gesprochen werden, was es denn eigentlich ist, dass man glaubt. Es würde schwerfallen, sich an dieser Kürze einer Aussage, die im griechischen Urtext nur ein einziges Wort umfasst, genügen zu lassen. Zum einen glaubt ja längst nicht jeder, der sich als einen gläubigen Menschen bezeichnen würde, an Jesus. Zum anderen gibt es auch unter Christen eine Vielzahl von Glaubensbekenntnissen, die sich manchmal eher in Feinheiten unterscheiden, die aber auch Kirchen voneinander trennen.

 

Vielleicht liegt darin ja ein gewisser Reiz: noch gar nicht gleich sagen zu müssen, was es denn eigentlich im Einzelnen ist, das man glaubt. Das Bekenntnis zu etwas birgt ja ein gewisses Risiko in sich. Nämlich die Möglichkeit (oder ist es eine Gefahr? Oder eine Chance?), sich erklären zu müssen, warum man denn das glaubt. Ganz schnell ist man dann drin in einer Debatte, wie man denn bitte eine solche Ansicht vertreten könne. Ganz schnell geht es dann um richtig und falsch, vielleicht sogar um den richtigen und den falschen Glauben. Und manches Mal habe ich schon erlebt, wie dann eine vergiftete Atmosphäre entsteht. Dann wäre es doch besser, kurz zu bleiben, und damit vielleicht sogar ausreichend unpräzise, um sich nicht angreifbar zu machen.

 

Wobei: so unpräzise ist der Bekenner, der diese Worte spricht. Er sagt ja eigentlich schon, was es denn ist, was er glaubt. Nämlich, dass Jesus die Möglichkeit hat, das zu tun, was seine Jünger zuvor nicht konnten. Er ahnt, dass es mit Jesus etwas ganz Besonderes auf sich hat. Dass er eben nicht nur Mensch ist, so wie alle anderen auch. Diese Ahnung und die Zuversicht auf das Handeln Jesu lassen ihn sich angreifbar machen. Er bekennt nicht nur seinen Glauben: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Er ist ganz ehrlich und bekennt, dass er nicht der große Glaubensheld ist (der wir vielleicht oft gerne wären). Damit will er sich aber nicht abfinden und bittet Jesus um Hilfe.

 

Mir macht diese Jahreslosung Mut. Sie ermutigt mich, mich bewusst zu dem zu bekennen, was ich glaube: an Jesus, dessen Kraft in meinem Leben wirksam sein will. Und sie ermutigt mich, ehrlich mit mir zu sein, wenn ich erkenne, dass mir manchmal der Glaube fehlt. Sie ermutigt mich, mich nicht damit abzufinden, sondern mich gerade in diesen Zweifeln an Jesus zu wenden: „hilf meinem Unglauben!“

 

Ich bin überzeugt, dass wir dort, wo wir uns in unserem Leben auf Gott verlassen, erstaunliches erleben können. Ob das wirklich stimmt? mag eine innere Stimme vielleicht fragen. Nun, das werden wir nur herausfinden, wenn wir es wagen!        

Micha Soppa