Gedanken

„Ein Samariter aber ging zu ihm; ….und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn“.  (Lukas 10)

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

 

Erinnern wir uns? Genau vor 20 Jahren haben wir am Stadthafen in Waren die „Figurengruppe vom verlorenen Sohn“ und wenige Wochen später im Foyer des Pflegeheimes Ecktannen auch noch ein „Holzrelief vom barmherzigen Samariter“ der Öffentlichkeit präsentiert. Neben dem aus Waren stammenden Künstler Stephan Voigtländer und der Gemeinde sind auch viele Gäste und Prominente zur Einweihung der Kunstwerke anwesend gewesen.

 

Näher eingehen möchte ich in diesem Artikel nur auf die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25–37). Aus dieser biblischen Geschichte wollten wir zukünftig für die Arbeit an den Alten und Schwachen im Pflegeheim unsere Motivation und Kraft ziehen. Ihnen zuerst wollten wir Nächster sein. 

 

„Wer ist mein Nächster“? Diese Frage zu beantworten erzählte Jesus seinen Zuhörern die Beispielgeschichte vom „barmherzigen Samariter“.

 

Was war passiert? Die Serpentinenstraße von Jerusalem nach Jerichow war etwa 25 km lang und hatte ein starkes Gefälle. Menschenleer und gefährlich war diese Straße. Der steile gewundene Weg bot Räubern und Wegelagerern gute Schlupfwinkel. Auf dieser Straße wurde ein Mann Opfer eines Raubüberfalls.

 

Da lag er nun hilflos am Straßenrand und konnte nur hoffen, dass einer kommt und sich seiner erbarmt.

 

Und tatsächlich, Schritte kommen näher, Hoffnung auf Hilfe. Doch dann, tiefe Enttäuschung. Der Priester, von dem man Hilfe hätte erwarten können, ging einfach an dem Verwundeten vorbei. Dann erneut Schritte, dasselbe Spiel noch einmal. Aber auch der Levit (Leviten assistierten den Priestern im Tempel), obwohl auch er den Hilfesuchenden sah, ging vorbei.

 

Erst ein Samariter, ausgerechnet ein von den Juden verachteter Samariter, kümmerte sich um den halbtoten Mann.

 

Mit dieser Geschichte vom barmherzigen Samariter beginnt eine großartige Bewegung, die bis zum heutigen Tag nicht aufgehört hat. Wer heute barmherziger Samariter sagt, meint Hilfe schlechthin, ganz besonders im medizinischen Bereich (Charité bedeutet Barmherzigkeit).

 

Deshalb hängt dieses Holzrelief im Foyer in Ecktannen.

 

Jeder der dieses Haus als Bewohner, Mitarbeiter oder Gast betritt darf wissen: Hier herrscht, von Jesus gestiftet, der Geist der Nächstenliebe.

 

Für uns alle beginnt in diesen Tagen die Advents-und Weihnachtszeit. Und wenn es auch kein ausgesprochenes Adventslied ist, so hat Phillipp Friedrich Hiller doch wie kaum ein anderer Dichter die übergroße Barmherzigkeit unseres Gottes und Heilandes gerühmt.

 

Ich wünschte, wir alle würden in dieses Lied einstimmen und mit dem Dichter bekennen: „Das muss ich dir, mein Gott bekennen, das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt; ich kann es nur Erbarmung nennen, so ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit, und rühme die Barmherzigkeit“.

 

Gott wurde Mensch. In Jesus ist er unser großer barmherziger Samariter geworden. Am Kreuz hat er gezeigt, er wird keinen Menschen links liegen lassen, der seine Hilfe und Zuwendung braucht.  

 

Helmut Christian Gohr