Gedanken aus dem Gemeindebrief

 

 

 

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Lukas 15,10

 

 

 

Liebe Geschwister,

 

 

 

was heißt das eigentlich, Buße tun? Wir kennen den Begriff eigentlich gar nicht mehr in unserem Alltag, und wenn, dann ist er negativ besetzt. „Das wirst du mir büßen“, so droht jemand vielleicht noch jemandem Rache an, und Regelverstöße im Straßenverkehr werden oft mit einem „Bußgeld“ geahndet. Das klingt alles gar nicht so schön für mich, wenn ich ehrlich bin. Und ich frage mich, warum dann etwas, das mit Buße zu tun hat, zur Freude in der Gegenwart Gottes führen sollte. Denn ein Gott, der Freude an der Strafe hat, den habe ich nicht in der Bibel kennengelernt – und ich bin überzeugt, dass ein solcher Gott nicht einer ist, den Jesus seinen Zuhörern verkünden wollte, als er diese Worte aus dem Lukasevangelium sprach.

 

Nein, die Buße, von der Jesus spricht, meint nicht eine dem Menschen von außen auferlegte Strafe als Folge seines schlechten Verhaltens. Buße meint eine innere Umkehr eines Menschen, der in seinem Herzen sein eigenes Fehlverhalten erkannt hat. Die innere Umkehr im Herzen folgt auf die oft schmerzliche Erkenntnis eines Menschen, dass sein Verhalten nicht dem guten Willen Gottes entspricht und ihn darum von Gott trennt. Darum ist Freude vor den Engeln Gottes, weil Buße bedeutet, dass ein von Gott getrennter Mensch zulässt, dass Gott diese Trennung von sich aus überwindet.

 

Diese Überwindung der Trennung zwischen Mensch und Gott verdanken wir dem Rettungshandeln Jesu Christi – menschliche Leistung kann immer nur Folge, aber niemals Bedingung dieser Rettung sein. Wie schwer es ist, das Handeln Gottes tatsächlich auch als bedingungslos anzunehmen, zeigt sich auch daran, welche Bedeutung das Wort „Buße“ im alltäglichen Sprachgebrauch genommen hat (siehe oben!). In diesem Jahr feiern wir am Reformationstag, dass der Wittenberger Mönch Martin Luther vor 500 Jahren diese Erkenntnis neu entdeckt hat und damit die Kraft des Evangeliums wieder neu ins rechte Licht gerückt hat. Gott sei Dank!

 

 Micha Soppa