Gedanken

 

Monatsspruch Juli: Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

(1. Könige 19,7)

 

Geistlicher Impuls von

Micha Soppa

 

Liebe Geschwister,

es ist im Augenblick gar nicht so leicht, den richtigen Ton für diese Zeilen im Gemeindebrief zu finden. Wer weiß denn heute schon, was morgen sein wird? Wir haben in den letzten Wochen (inzwischen können wir ja eigentlich schon von Monaten sprechen!) lernen müssen, von Tag zu Tag zu denken, maximal vielleicht für eine Woche. Was dann sein wird, kann man schlicht nicht wissen. Schon beim Schreiben der Predigt versuche ich, nicht zu schnell zu sein, falls es noch besondere Nachrichten oder Entwicklungen gibt, die Berücksichtigung finden müssen. Jetzt schreibe ich also eine Einleitung für einen Gemeindebrief, der erst in einigen Wochen erscheinen wird. Was bis dahin alles passieren kann!

Alle Schulen könnten wieder geöffnet haben (die Geschäfte ja sowieso), wir könnten wieder mal in ein Café oder ein Restaurant gehen ohne uns vorher anzumelden und – ich wage zu träumen – wir können die gute Freundin, die wir zufällig in der Stadt treffen, zur Begrüßung einfach in den Arm nehmen. Und wie selbstverständlich haben wir diesen Gemeindebrief nach dem Gottesdienst vom Büchertisch mitgenommen.

Oder wir haben inzwischen wieder die Rolle rückwärts gemacht. Die sogenannte zweite Welle ist Wirklichkeit geworden, die Ansteckungsquote ist wieder gestiegen und alle Lockerungen, die nach und nach gewährt wurden, sind schon wieder passé.

An Gottesdienst in unseren Räumen ist noch lange nicht zu denken und wir alle mussten uns von dem Gedanken verabschieden, in diesem Sommer nochmal irgendetwas zu unternehmen, was sich Erholung oder Urlaub nennen könnte.

So oder so: wir werden noch einen weiten Weg vor uns haben. Der Prophet Elia hörte diese Worte eines Boten von Gott, als ihm gar nicht so sehr nach weiten Wegen zu Mute war. Eigentlich hatte er sich unter einen Strauch gesetzt, um dort zu sterben. Er wollte nicht mehr. Er hatte sich auf den Weg gemacht, um sich in Sicherheit zu bringen. Hinter ihm drohte ihm der Tod durch die Rache Isebels und vor ihm lag die Wüste. Keine rosigen Aussichten. So war er auf diesem Weg verzweifelt.

Auf eine gewisse Weise können wir uns gerade also vielleicht in Elia hineinfühlen. Wir müssen uns aber nicht zu ihm unter den Busch setzen, um mit ihm zu verzweifeln, sondern dürfen erleben, dass Gott durch diese Wüste hindurchgeführt hat.

So wird es auch uns gehen. Auch unser Weg wird noch weit sein, aber wir wissen: wir gehen ihn nicht alleine. Ich wünsche uns allen, dass wir das erleben. Gott mit uns!